Das Projekt Bach meets Jazz: Das VaM bei der Dortmunder Museumsnacht 2017

Wer für ein Konzert in die Kirche geht, erwartet ‚klassische‘ geistliche Musik, erst Recht, wenn J. S. Bach angekündigt ist. Wer Jazz sucht, geht in Dortmund z.B. ins Domizil, dort erwartet man nicht geistliche Chormusik – in der Kirche sucht man keinen Piano-Jazz.

Mit Bach meets Jazz sprengten wir Grenzen, indem wir eine alte fixierte Komposition mit neuer improvisierter Musik verbunden und sie im sakralen Raum erklingen lassen haben: In der Propstei mit Kreuzgang und Baegert-Altar, die sonst von Orgelklängen, regelmäßig auch von Gregorianik erfüllt wird. Ein vielschichtiger CultureClash…. Das Alte bleibt erhalten, das Neue kommt hinzu, es bereichert und wandelt sich gegenseitig, es verbindet sich.

Das Projekt

Das Durchmischen alter mit neuer Musik ist nichts Neues. Zu allen Zeiten haben Komponisten sich mit den Werken ihrer Vorgänger auseinandergesetzt, indem sie sie ‚bearbeitet‘, d.h. mit den Farben und Klängen ihrer Zeit sowie ihrer persönlichen Handschrift versehen haben. Das hat schon J.S. Bach so gemacht, aber auch Reger, Mahler, Schönberg u.v.m. Manche erinnern sich gewiss an Ekseption, Jaques Loussier und Eugen Cicero, es waren und sind viele mehr, die solche ernsthaften Auseinandersetzungen wagen.

Vor 15 Jahren hat ein Projekt der Leipziger Thomaner Furore gemacht, bei dem Originalklänge Bachscher Motetten durch Joachim Kühn jazziges Beiwerk erhielten. Davon inspiriert erwuchs im VaM der Wunsch, sich selbst einmal einem solchen Crossover zu stellen.

Museumsnacht Dortmund 2017 Plakat
Johannes Schenk

Johannes Schenk
Foto: Johannes Booz, Wolfgang Grabowski

 Johannes Schenk hat sich schon sehr lange intensiv mit Bach auseinandergesetzt. Er hat beim Leipziger Bachfest konzertiert und etliche CDs „As time goes B.A.C.H.“ mit seinem Trio eingespielt. Seine Solo-CD ist derzeit vergriffen.  Wir sind sehr froh, dass wir ihn für unser Projekt gewinnen konnten: begeistert ist er mit uns in die Arbeit eingestiegen! Auf seiner Kreativität basiert das Konzept unserer jazzigen Erweiterung der Bach-Motette, miteinander haben wir experimentiert, Ideen entwickelt und Alternativen erprobt. Das Ergebnis war in der DEW21-Museumsnacht 2017 zu hören: Das Gegenüber von purem Bach und purem Schenk verdichtete sich zu einem Ineinander der beiden Elemente, von fixiertem Notentext mit improvisierten Klängen, von alt und neu. Dabei ließ sich Johannes Schenk ebenso sachkundig wie einfühlsam auf die kompositorische Anlage des Bachschen Originals ein. Das VaM hatte ‚lediglich‘ die Aufgabe, sich in der Bachschen Partitur nicht zu verlaufen und sich vom Jazz ins Musizieren mitreißen zu lassen.

Die Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 besteht aus 11 Teilen, die symmetrisch angelegt sind, sich um eine zentrale Fuge spiegelnd. Choralstrophen und freie Chorsätze wechseln einander ab, es gibt drei- bis fünfstimmige Sätze, die sich zu einem umfangreichen Werk verbinden. Es erfährt durch die Anreicherung mit Jazz zusätzliche Erweiterung. Dabei geht es uns nicht um schmückendes Beiwerk, sondern um ein Miteinander der beiden musikalischen Welten.

In unserer Auseinandersetzung mit der Motette ersetzten wir die zentrale Fuge durch den vierstimmigen Choralsatz „Jesu, meine Freude“  von Johannes Schenk. Bei unserem Eingriff in den originalen Aufbau der Motette wurde die symmetrische Anlage respektiert. Die ‚Elemente‘ Bach und Jazz wurden zunächst einander gegenüber gestellt, vermischten sich allmählich, und standen zuletzt – in umgekehrter Abfolge – wieder separat nebeneinander: Am Schluss stand der pure Bach „Weicht, ihr Trauergeister“.

 

Museumsnacht 2017 Bach meets Jazz - VaM
Johannes Schenk
Museumsnacht 2017 Bach meets Jazz - Linde Geisen

Bach meets Jazz, Dortmunder Museumsnacht, 23.09.2017. Fotos: Magdalena Rose


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