Vor zwei Jahren haben wir der Aufführung des Mozart-Requiem den Actus Tragicus von J.S. Bach vorangestellt. In diesem Jahr eröffnen wir das Totensonntagskonzert ebenfalls mit einer Bach-Kantate: Herz und Mund und Tat und Leben, BWV 147.
Die Kantate wird jedoch nicht vollständig erklingen. Uns schien eine Kürzung sinnvoll und inhaltlich möglich – so bedauerlich es auch ist, ein solches Werk beschneiden zu müssen. Wir haben die Rezitative herausgenommen, erhalten bleiben uns so die vier großen Arien, der Eingangschor und die beiden Choralstrophen. Zum Nachlesen für unser Publikum drucken wir den vollständigen Kantatentext im Programmheft ab.
Mit der Aufforderung im Eingangschor, mit „Herz und Mund und Tat und Leben“ den christlichen Glauben zu bezeugen, beginnt also unser Totengedenken. Die Arien vertiefen und bekräftigen dieses Anliegen („Schäme dich o liebe Seele nicht, Deinen Glauben zu bekennen“; „Bereite Dir Jesu noch itzo die Bahn!“ ; „Hilf Jesu hilf, dass ich auch Dich bekenne“; „Ich will von Jesu Wundern singen“) . Die Choralstrophen: „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ und „Meinen Jesum lass ich nicht“ verströmen ruhige Gewissheit.
Man kann diese Kantate als eine Glaubensvergewisserung verstehen, die mit dem Ruf nach ewiger Ruhe für die Verstorbenen im „Requiem aeternam dona eis, Domine“ einhergeht und die den Trauernden Trost bieten mag.
Bekannt ist die Kantate durch die beiden musikalisch identischen Choralbearbeitungen, mit denen Bach die beiden Kantatenteile jeweils beendet. Die scheinbar endlos fließende Thematik dieses Werks gewinnt Bach aus der Choralmelodie; in sie hinein baut er einen schlichten, vierstimmigen Satz. Zahllose Arrangements und Bearbeitungen dieses Stücks haben vielen Menschen die Musik Johann Sebastian Bachs näher gebracht.
Den Eingangschor beginnt mit einer Orchestereinleitung. Die bewegte Linienführung beginnt in der Trompete, wird von den Streichern fortgesetzt und schließlich von den in Fugenform einsetzenden Vokalstimmen übernommen. Hier entpuppt sich das Motiv als musikalisches Abbild des Wortes „Leben“, dem es zuerst unterlegt wird. Eine den Text akkordisch deklamierende Passage schließt sich an, bevor der Satz zu den homophon gesetzten Worten „Furcht und Heuchelei“ nachdenklich innehält. Die Reprise nimmt den feierlich-bewegten Charakter des Beginns wieder auf.
„Schämen“ und „verleugnen“ sind die zentralen Begriffe der Alt-Arie. Der Rhythmus pendelt zwischen 3/4 und 3/2 und lässt sich nirgendwo recht festmachen. Es scheint fast, als sei Bach seines Bekennens noch nicht sicher. Sowohl die Solo-Oboe d’amore wie auch die Singstimme unterstreichen das „Kommen zur Herrlichkeit“ durch auffällige Aufwärtsbewegungen.
Eine Solovioline umspielt den Solosopran in der Arie “Bereite dir, Jesu, noch itzo die Bahn, mein Heiland erwähle die glaubende Seele und siehe mit Augen der Gnade mich an“.
Es folgt die Choralstrophe: „Wohl mir, dass ich Jesum habe“, sie beschließt den I. Teil der Kantate.
Der zweite Kantatenteil beginnt mit einer Continuo-Arie: Der Bass spielt ein markantes Motiv, zu dem der Tenor dann die Worte „Hilf, Jesu, hilf“ deklamiert. Es liegt nahe, die Continuo-Bewegung auf die Worte „von deiner Liebe brenne“ zu beziehen.
Die letzte Arie strahlt in voller Besetzung einschließlich der Solo-Trompete jene Entschlossenheit aus, von der der Text spricht, und lässt den Sänger ausgiebig „von Jesu Wundern singen“.
Am Schluss steht wieder eine Choralstrophe: „Meinen Jesum lass ich nicht“.
Das Requiem in d-moll von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 626) werden wir auch in diesem Jahr wieder in der Bearbeitung von Franz Beyer präsentieren.
